Noris nos, inquit, docti sumus.
Das Erscheinen einer neuen Zeitschrift sollte im Idealfall eine Lücke füllen; wenn nicht eine allgemein offensichtliche, so wenigstens in der Empfindung der Herausgeber. Nun passt eine "Zeitschrift für Literatur und Wissenschaft" nicht in eine enge Nische - die Lücke, die es zu füllen gilt, entspricht keinem Fachgebiet, keiner speziellen Disziplin. Ob es einen generellen Mangel an Publikationen gibt, sei dahingestellt. Jedenfalls sehen wir die Tradition der literarischen Zeitschrift durchaus vernachlässigt.
Die Lücke, die wir wahrgenommen haben, ist aber auch eine qualitative. Diese Aussage wie einen Fehdehandschuh vor die Füße der Vielen zu werfen, ist ein zu heikles Unterfangen, als dass man die große Geste ganz für sich stehen lassen könnte. Was Kobuk erreichen will, ist, jungen Geisteswissenschaftlerinnen und Literaten eine Plattform zu bieten, die nicht auf dem Fundament einer modischen Theorie oder der kommerziellen Orientierung errichtet, sondern einem klassisch-humanistischen Ideal verpflichtet ist. Eine kritisch-künstlerische Einheit also, weltoffen, aber konsequent.
Soweit zum Manifest. Relevanz, Profundität, Exzellenz, Wissenschaftlichkeit, kritische Standards, die Schlagwörter sind bekannt. Man wird das Programm an der Zeitschrift selbst beurteilen müssen. Besonders stolz sind wir auf die literarischen Texte, die wir hier abdrucken dürfen. Solche ohne jeglichen Zwang aufgrund ihrer Qualität auswählen zu können, ist eine seltene Freude.
Zuletzt scheint ein Wort zum Titel angebracht. Ohne zuviel zu erklären oder die Metaphorik allzu sehr zu strapazieren, soll es recht sein, wenn der Name in die Ferne weist, und sich dahinter doch auch das Lokale, Wienerische, Österreichische findet; das Umfeld nämlich, in dem die Idee für Kobuk entstanden ist.
Daniel Syrovy




